Uli Hoeneß hat es kürzlich angekündigt: “Die Gehälter werden sinken”, so der neue Bayern-Präsident in der kicker-Ausgabe vom 30. November über die Einkommen der Herren Profi-Fußballer. Das wäre grundsätzlich zu begrüßen. Die andere Seite der Medaille: Je niedriger die Gehälter, desto größer die Anfälligkeit für Spielmanipulationen.
Bei Bayern München jedenfalls sinken die Gehälter bereits. Zumindest, wenn man sie in ihrer Summe zusammenrechnet. In der Jahresbilanz für das Geschäftsjahr 2007/08 waren auf der Ausgabenseite noch 153 Milionen Euro unter dem Posten “Personalaufwand” aufgeführt, im Geschäftsjahr 2008/09 waren es “nur” noch 139,2 Millionen Euro.
Gründe: Mit Oliver Kahn, Zé Roberto, Marcell Jansen, Willy Sagnol und Jan Schlaudraff verließen fünf hochbezahlte Kicker vor der Saison 2008/09 den Verein, während im Wesentlichen nur Tim Borowski sowie die Leihspieler Landon Donovan und Massimo Oddo neu hinzustießen. Konsequenz: Sinkende Personalkosten. Ein Jahr zuvor hatte man unter anderem noch Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose nach München geholt und die Personalkosten so in astronomische Höhen getrieben.
Runter und rauf, rauf und runter
Prognose: Für das laufende Geschäftsjahr 2009/10 dürften die Personalkosten wieder steigen. Zwar wurden die Topverdiener Lucio und Lukas Podolski weggegeben, dazu Borowski und Oddo von der Gehaltsliste getilgt, im Gegenzug aber Ivica Olic, Arjen Robben, Anatoliy Tymoshchuk und Mario Gomez neu hinzugefügt, außerdem Danijel Pranjic und Edson Braafheid. Qualitativ und vor allem quantitativ wurde der Kader also verstärkt, mehr Kosten ans Bayern-Bein gebunden.
Wie also neue Einsparpotenziale freisetzen? Antwort: Luca Toni verkaufen. Der Weltmeister hat in seiner bisherigen Bayern-Zeit schon einiges bewegt, hat sich um den Verein durchaus verdient gemacht, quengelt aber in jüngerer Vergangenheit zu viel.
Toni provoziert und mosert, hat sich mit dem Trainer bereits überworfen, wird wohl gehen. Womöglich schon in der Winterpause. Sportlich kann der Club das auffangen: Mit Klose, Gomez, Olic und Müller stehen vier ordentliche Stürmer im Kader, dazu die beiden offensiven “Glasmänner” Ribéry und Robben, die die Doppel- und vielleicht Dreifachbelastung Bundesliga/DFB-Pokal/Champions League werden meistern können.
Ein finanzieller Segen
Und finanziell wäre der Weggang des Italieners ein Segen: Mit einem Jahressalär von geschätzten zehn Millionen Euro steht Toni an der Spitze der Pyramide - sogar bundesligaweit. Sollte er gehen, wird der Posten Personalaufwand wieder um einige Euro reduziert.
Und der FCB könnte zusätzlich sogar einen kleinen Transfererlös einstreichen. Zwei bis drei Millionen Euro sollten für einen 32-jährigen Weltklasse(?)-Stürmer durchaus noch drin sein. Der übrigens noch einen Vertrag bis 2011 hat, im Sommer also noch nicht ablösefrei wäre. Wir erinnern uns: Vor zwei Jahren hatte Bayern München elf Millionen Euro für das Matze-Knop-Double an den AC Florenz überwiesen.
Auch hier ein Blick auf die Zahlen: Im Geschäftsjahr 2007/08 hatte Bayern laut Jahresabschlussbericht Einnahmen von insgesamt 33,1 Millionen Euro aus Transfers, ein Geschäftsjahr später nur noch 14,3 Mio.
Fazit: Bayern München könnte einen Verkauf von Luca Toni sportlich verkraften - und wirtschaftlich nur begrüßen. Der Anblick eines Zehn-Millionen-Euro-Stürmers, der Woche für Woche frustriert auf der Tribüne sitzt, muss ein unerträglicher Anblick für jeden Schatzmeister sein…
Die vierte Gewalt
Noch ein kleiner Schlenker zurück zum Thema Spielmanipulationen: Tröpfchenweise kommen ja die Details über mögliche “Spielabsprachen” über die Staatsanwaltschaft Bochum, über den DFB, über die Presse ans Licht. Ein demokratischer Dank gebührt allen Journalisten, die der Sache auf den Grund gehen. Oder dies zumindest versuchen.
Die Oldenburgische Volkszeitung (OV) aber gehört nicht dazu. Dabei kommt immerhin einer der Beschuldigten aus Lohne, einer Kleinstadt im Einzugsgebiet der OV. Warum also nicht mal investigativ anrecherchiert und nachgefragt? Hält dort anscheinend aber niemand für nötig.
Es soll nun aber ja niemand auf die Idee kommen, Kritik diesbezüglich zu äußern, womöglich einen entsprechenden Kommentar im Online-Portal (wenn man es denn so nennen mag) der OV zu hinterlassen. Kritische Kommentare werden dort nämlich kommentarlos gelöscht.