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Mal kurz über Bayern München nachgedacht…

Das UEFA-Kettensägenmassaker

Gutes Spiel, mäßiges Ergebnis: Das 2:1 gestern gegen Florenz legte vor allem die Abwehrschwäche des FCB offen. Noch ärgerlicher aber ist die Zerhackstückelung der Champions League durch die UEFA.

Die Erkenntnisse aus dem Florenz-Match (mal abgesehen davon, dass der Schiedsrichter einen eher unterdurchschnittlichen Arbeitstag erwischte):

1) Martin Demichelis ist kein Klasseverteidiger. Wann hat er eigentlich das letzte Mal so richtig gut Fußball gespielt? Auch gestern reihte sich Patzer wieder an Patzer wieder an Patzer wieder an Patzer - der FC Bayern muss am Saisonende vor allem in der Innenverteidigung personell nachbessern. Gruß aus Dortmund: Mats Hummels ist nämlich im Vergleich zu Micho Demichelis der bessere Innenverteidiger.

2) Arjen Robben ist besser als Franck Ribéry. Zumindest momentan.  Die Vorstellung des Holländers gegen die Fiorentina war jedenfalls um mindestens eine Klasse besser als die des Franzosen. Kurioses Szenario: Real Madrid gibt Robben für ca. 25 Millionen Euro an Bayern München ab und verpflichtet im Gegenzug für den doppelten Betrag den schwächeren Ribéry. Für dessen Position man im Übrigen schon Cristiano Ronaldo verpflichtet hat. Macht keinen Sinn.

3) Diego Contento hat Talent.

Jetzt zum eigentlichen Ärgernis: Das Achtelfinale der Champions League verteilt sich nun also auf insgesamt vier Tage. Dienstag zwei Spiele, Mittwoch zwei Spiele, nächsten Dienstag zwei Spiele, nächsten Mittwoch zwei Spiele. Grauenvoll.

Sicher, im Free-TV kann sich der gemeine Fan jetzt zwei Live-Spiele pro Spieltag zu Gemüte führen. Aber: Die gesamte Playoff-Atmosphäre wird dadurch kaputtgesplittet. Der Überkreuz-Vergleich von ManU und Inter, Barca und Bayern geht durch die zeitliche Trennung mehr oder weniger verloren. Wie schön es doch war, vormittags gedankenversunken in den Tag zu starten: “Heute Abend spielt Bayern live, danach gibt’s die Tore von Barcelona, von Arsenal, vielleicht sogar von Porto. Ist Messi gut drauf? Mal gucken, was Ballack heute Abend so abliefert!” Spannung, Tore, volle Stadien - einen ganzen Abend lang.

Vorbei, jetzt gibt’s Salami, heute hier ein Scheibchen, morgen da ein Scheibchen. Auf einen herrlichen Champions League-Abend freuen kann man sich so jedenfalls nicht.

Eine Woche Warten

Rückblick: Am 17. Mai 2008, dem Schlusstag der Saison 2007/08, war Bayern Müchen letztmals Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Ausblick: In einer Woche ist es endlich wieder so weit. Nach dem 23. Spieltag der Serie 2009/10 steht der FCB wieder oben.

Ob das nicht zu gewagt ist? Keine Spur. Zwar haben die Top Four am 22. Spieltag allesamt gewonnen. Am höchsten einzuschätzen ist dabei der Dreier des Hamburger SV bei den zuletzt formstarken Stuttgarter Schwaben. Trotzdem ist der HSV mittlerweile raus aus dem Titelkampf. Neun Punkte Rückstand sind für die in ihren Leistugen zu stark schwankenden Hamburger nicht aufzuholen. Der Deutsche Meister 2010 wird also entweder Bayer Leverkusen, Bayern München oder FC Schalke 04 heißen.

Randnotiz: Wer nicht gerade Anhänger einer dieser drei Vereine ist, dürfte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn allseits beliebt und geachtet sind alle drei nicht. Das würde eher auf Werder Bremen oder den VfB Stuttgart zutreffen.

Zum nächsten Wochenende: Bayern München spielt am Samstag beim 1. FC Nürnberg gegen Breno und Ottl, muss und wird dort knapp gewinnen (2:1). Am Sonntag dann spielt Schalke in Wolfsburg, Leverkusen in Bremen. Prognose: Die allmählich in Abstiegsgefahr hinunterrutschenden Wölfe holen mindestens einen Punkt (1:1), Bremen behält in einem flotten Spielchen mit 3:2 die Oberhand.

Ergibt in der Addition: Tabellenführung für Bayern München. It’s that easy…

Löwen in freier Wildbahn

“Liebe Bayernfans, welchen Verein im deutschen Profifußball können Sie am wenigsten leiden? Sicher ist Ihnen schlagartig ein Name eingefallen. Aber gemach, bloß nicht aufregen! Das wäre dieser Verein gar nicht wert. Trotzdem sollte diese innige Feindschaft gepflegt werden. Schließlich geht es ja auch noch um einige Euro. Aber wenn wir je wieder im Spiel auf diesen Gegner treffen sollten, dann ist er uns nur ein müdes Gähnen wert. Mit uns messen kann er sich ja eh nicht. Weder auf dem Platz noch außerhalb. Denn Werte wie Fairplay, Anstand oder gegenseitiger Respekt sind in diesem Verein gänzlich unbekannt.”

Was das jetzt soll? Hier lesen, Kopf schütteln und weitermachen. Armes 1860 München.


Wird Robben Torschützenkönig?

Nach 14 Spieltagen hatte der Abstand  bereits sieben Tore betragen. Für Tortabellenführer Stefan Kießling waren 12 Tore angeschlagen, für Mario Gomez als besten Bayern erst fünf. Nach dem wunderbaren 3:1 in Wolfsburg steht die formschöne Kanone für Bayern München wieder griffbereit.

Also: Welcher Münchner setzt sich am Ende der Saison die Torjägerkrone auf? Zwar sieht die Spitze der Torjägerliste momentan noch immer so aus: Kießling (13), Kuranyi (11), Barrios, Bunjaku (je 10). Aber danach wimmelt es nur so von roten Hemden: Gomez (9), Olic, Robben (je 7), Müller, van Buyten (6).

Leicht kurios: Bayerns bester Sturmmann Gomez hat von den fünf genannten Spielern bislang die schlechteste Saison, keine ganz schlimme zwar, aber eben auch keine vollends überzeugende. Trotzdem wird er am Ende bester Bayern-Torschütze sein. Die Chance, Bundesliga-Bester zu werden, hat er ebenfalls noch.

Denn nach dem Winterverleih von Luca Toni hat Bayern nur noch vier Stürmer im Kader (sofern man Müller dazu- und Robben sowie Ribéry nicht dazurechnet). Bleibt er also frei von etwaigen Faserrissen, Prellungen und Grippeviren, dürfte Gomez seinen Stammlatz so schnell nicht mehr verlieren. Zumindest sind ihm längere Einsatzzeiten, auch wegen der berühmten Dreifachbelastung (Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal), gewiss.

Gomez’ BL-Torquotient in der Saison 2009/10 bislang: 0,43 (9 Tore in 21 Spielen). Zum Vergleich: Der Torquotient von Unterhosen-Mann Arjen Robben beträgt bis dato 0,54. Sieben Tore in nur 13 Spielen (davon ganze sechs über 90 Minuten!). Eine exzellente Bilanz.

Diese Statistik offenbart allerdings auch den Grund, warum der Holländer am Ende nicht als bester Torjäger durchs Ziel sprinten wird. Sein fragiler Körper wird ihn wahrscheinlich noch das eine oder andere Match verpassen lassen. Zudem ist er im Falle einer Bayern-Führung aus eben diesem Grunde stets ein guter Kandidat für eine Auswechslung, was insgesamt weniger Einsatzminuten bedeutet. Und das stechendste Argument zum Schluss: Demnächst steigen die Temperaturen und machen lange Unterhosen, egal ob rot oder weiß, gänzlich überflüssig.

Hinten hui, vorne hui-pfui

Drei Teams haben sich nach dem 20. Spieltag abgesetzt: Bayer Leverkusen, Bayern München,Schalke 04. Vom großen Rest ist es nur dem Hamburger SV zuzutrauen, noch ganz vorne einzugreifen. Heißt also: Einer von diesen vier Vereinen wird sich am Ende der Saison 2009/10 Deutscher Meister nennen dürfen. Der einzige Überraschungsgast im Titelrennen: Bayer Leverkusen.

Alle anderen Bundesligisten sind dementsprechend raus aus dem Rennen, also auch die vormaligen Mitfavoriten Wolfsburg und Stuttgart, auch Hochkaräter wie Hoffenheim und Bremen.

Weitere Erkenntnisse aus Spieltag 20:

1) Der FC Bayern muss dringend an seiner Chancenverwertung arbeiten. Denn das Torverhältnis könnte im Rahmen des Bayer-Bayern-Duells am Ende den Ausschlag geben. Momentan hat Leverkusen ein Torverhältnis von +29, Bayern +25. Jedes weitere Tor gestern gegen Mainz wäre also sehr wertvoll gewesen.

2) Von den Top Five der Tabelle hat der FCB am nächsten Spieltag die schwierigste Aufgabe. Bayern spielt in Wolfsburg, Leverkusen in Bochum, Hamburg in Köln, Dortmund gegen Frankfurt und Schalke in Freiburg. Das pessimistisches Szenario geht so, dass der FCB am kommenden Wochenende auf Platz drei zurückfällt.

3) Trotz der ungenügenden Chancenverwertung: Die Offensive des FCB ist die statistisch zweitbeste, 42 Tore in 20 Bundesligaspielen ergeben eine Torquote von 2,1. Lediglich Leverkusen hat mit 45 Saisontreffern mehr erzielt. Auf Platz drei: Bremen und der HSV (je 37). Schalke hingegen hat bislang nur 31 Mal eingenetzt, was einerseite die unattraktive Spielart der Magath-Jungs belegt, andererseits aber auch deren Efizienz.

Die Defensive der Bayern liegt auf Platz drei, 17 Gegentore gesamt machen im Schnitt 0,85 pro Spiel. Natürlich führt Schalke diese Rangliste an (15 Gegentore), danach folgt Leverkusen (16). Schlussfolgerung: Die Bayern-Abwehr erfüllt ihre Aufgabe in dieser Saison bislang unerwartet gut. Schließlich verfügt Bayern München mit Philipp Lahm nur über einen einzigen Weltklasse-Verteidiger, welcher zudem noch auf der falschen Position eingesetzt wird.

Auch der alternde Durchschnittstorwart Jörg Butt gibt in der Realität bisher eine vorzügliche Figur ab. Grundsätzlich gilt aber: Ein Torhüter sollte niemals Elfmetererschütze Nummer eins sein. Das ist eines Top-Teams und seiner Feldspieler unwürdig. Und erzeugt womöglich sogar Gefahren in Form von direkten Gegenstößen. Besserer Elfervollstrecker: Bastian Schweinsteiger.

Afrikaner für Bayern

Anderthalb Sätze zum Samstag: Mit dem Tempo- und Kombinationsfußball, den der FC Bayern in Bremen vorgeführt hat, ist er eine Macht in Europa. Einfach herrlich.

Jetzt Schlenker rüber zum Afrika-Cup: Der afrikanische Fußball ist auf dem Vormarsch. Das beweist die langjährige Präsenz von Ländern wie Kamerun, Nigeria und der Elfenbeinküste bei internationalen Großturnieren. Das beweisen die vielen afrikanischen Profis in Europa, vor allem in der Premier League und der Ligue 1 in Frankreich.

Das beweist im weitesten Sinne auch die französische Nationalelf, die mittlerweile fast ausschließlich aus Spielern mit afrikanischem Migrationshintergrund besteht. Und auch deutsche Spieler mit afrikanischem Background spielen sich immer mehr in den Vordergrund: Aktuell Jerome Boateng und Dennis Aogo, zuvor schon Gerald Asamoah und David Odonkor.

Und in Zukunft wird der Zustrom hochtalentierter Kicker aus Afrika noch größer werden. Das garantiert schon die demographische Entwicklung. Europas Bevölkerung altert und schrumpft, Afrikas wächst, nein, explodiert.

Deswegen sollte der FC Bayern seine Scouting-Aktivitäten auf dem schwarzen Kontinent intensivieren. In seiner Vergangenheit jedenfalls hat der FCB nicht so sehr auf afrikanische Spieler gebaut. Spontan drängt sich dem Langzeitgedächtnis nur der Name Sammy Kuffour auf (wem noch andere einfallen, bitte melden!). Auch aktuell ist kein Afrikaner im Kader. Im Gegensatz zum Beispiel zum FC Chelsea, wo mit Didier Drogba, Salomon Kalou, Mickael Essien und John Obi Mikel gleich vier unter Vertrag stehen. Auch Spieler wie Samuel Eto’o von Inter Mailand und Emmanuel Adebayor von Man City sind Weltstars.

Daher die Frage: Hat Bayern München eigentlich Scouts nach Angola geschickt?

Bayern-Block in Bedrängnis

Jogis Aufgebot für den so genannten Leistungstest der Nationalmannschaft steht. Anlass genug, um seinen Kader mal ein bisschen aus Bundesliga-Perspektive auseinanderzupflücken.

Immerhin läuft Bayern München Gefahr, bei der WM in Südafrika nicht der Bundesliga-Verein zu sein, der die meisten Spieler für Jogis Truppe abstellt. Nein, das wäre keine Katastrophe. Aber schon ärgerlich. So viel Ego muss sein.

Die 29 Spieler, die von Löw zum Leistungstest berufen wurden, plus die vier, die absagen mussten oder keine Freigabe erhielten, verteilen sich wie folgt auf die Vereine:

  • Bayern München: 5 (Lahm, Müller, Schweinsteiger, Gomez, Klose)
  • VfB Stuttgart: 5 (Tasci, Träsch, Hitzlsperger, Khedira, Cacau)
  • Werder Bremen: 5 (Wiese, Mertesacker, Hunt, Marin, Özil)
  • Bayer Leverkusen: 5 (Adler, Kroos, Rolfes, Helmes, Kießling)
  • Hamburger SV: 4 (Boateng, Aogo, Jansen, Trochowski)
  • VfL Wolfsburg: 2 (Schäfer, Gentner)
  • Schalke 04: 2 (Neuer, Westermann)
  • Hertha BSC Berlin (Friedrich), Hoffenheim 1899 (Beck), 1. FC Köln (Podolski), FC Chelsea (Ballack), Stoke City (Huth): je 1

Wer macht also das Rennen um den größten Block? Prognose: Bayern oder Bremen. Der FCB hat dabei gute Chancen, aus dem nominierten Quintett haben schließlich vier ihre Südafrika-Tickets so gut wie sicher (nur Müller nicht). Bei Werder wackeln Hunt und Marin. Bayer Leverkusen ist unberechenbar, nur Adler ist sicher dabei. Es könnten aber auch gut und gerne alle fünf mitfahren. Der restliche Bundesliga-Verlauf dürfte hier die Entscheidung bringen. Stuttgart ist chancenlos, da fast unter Garantie zwei oder drei Stuttgarter (Träsch, Hitzlsperger, Cacau) noch kippen werden.

Jogi Löw: “Natürlich ist bei unseren WM-Planungen die Tür für andere Kandidaten nicht zu, aber es wird nur dann noch jemand eine Chance erhalten, wenn er bis zum Saisonende überragende Leistungen bringt.” Bedeutet: Holger Badstuber könnte den Bayern-Block noch verstärken. Allerdings hat auch die Konkurrenz Kicker im Kader, die bei der endgültigen Nominierung für ein Raunen sorgen könnten: Clemens Fritz (Bremen), Stefan Reinartz, Gonzalo Castro, Manuel Friedrich, Lars Bender (Leverkusen), Timo Gebhart, Roberto Hilbert (Stuttgart).

Auch wenn jetzt aber der Bayern-Block den WM-Sprint verlieren sollte, für die Zukunft ist vorgesorgt. Stichwort: Toni Kroos. Dazu die Bayern-Homepage: “Darüberhinaus berief Löw erstmals auch Toni Kroos zu einem Treffen der A-Nationalmannschaft.” Irgendwie vielsagend…

Der ewige Thron

Bayern München hat gegenüber allen anderen 17 Bundesligisten eine positive Gesamtbilanz. Historisch gesehen. So weit, so langweilig. War ja schließlich nicht anders zu erwarten. Mit der makellosen Bilanz könnte allerdings heute Abend Schluss sein.

Dann nämlich, wenn der FCB gegen die TSG Hoffenheim 1899 mit zwei Toren Unterschied verliert. Das sollte eigentlich nicht passieren, liegt aber auch nicht im Bereich des Unmöglichen.  Dreimal hat der bayerische Über-Verein bislang gegen den Dorfverein aus dem Kraichgau gekickt. Ergebnisse: 1:1, 2:2, 2:1.

Die Gesamtbilanz des FC Bayern steht also bei einem Sieg, zwei Remis. Ein einziger Sieg, gleichzeitig der erste, würde Hoffenheim also reichen, um die Gesamtbilanz vorläufig an sich zu reißen. So dicht ist kein anderer Bundesliga-Rivale den Bayern auf den Fersen. Das Problem diesbezüglich: Hoffenheim ist bereits als Top-Team in die Bundesliga aufgestiegen und somit schon in den ersten Spielzeiten ein zäher, nur mühselig zu spielender und zu schlagender Konkurrent.

Das war zum Beispiel im Falle des VfL Wolfsburg anders. Der aktuelle Meister war in seinen ersten erstklassigen Jahren nur Kanonenfutter, die finanzielle Unterstützung von VW noch nicht so massiv wie heute. Die Gesamtbilanz zwischen Bayern und Wolfsburg daher: 18 Siege, vier Remis, drei Niederlagen.

Darum: Ein Sieg des FCB würde bedeuten, dass nicht nur Leverkusen und Schalke in Schlagweite blieben, sondern auch, dass die Gesamtbilanz gegen Hoffenheim nicht mehr so “bedrohlich” wäre.

Warum das überhaupt wichtig ist? Weil es beim Fußball noch immer um Dinge wie Ruhm und Ehre geht. Und nicht nur um Geld. Sogar bei einem Spiel zwischen Bayern München und Hoffenheim.

Baumjohann, Breno, Toni: Dreifaches Risiko

Viel Lob gab es für die Aktivitäten des FC Bayern auf dem Weihnachtsbasar. Jungmanager Christian Nerlinger stellte sich dabei hinter die Theke und haute gleich vier Spieler raus. Luca Toni verschwand auf Leihbasis Richtung Rom, Breno und der Ottl Andi gingen leihweise nach Nürnberg, Alex Baumjohann wurde sogar endgültig verkauft, an Felix Magaths Schalke.

Und tatsächlich, die Alles-muss-raus-Aktion bietet Bayern München Vorteile:

1) Louis van Gaal hat endlich einen schlanken Kader ganz nach seinem Gusto und wesentlich mehr innerbetriebliche Ruhe.

2) Der FC Bayern spart Gehälter - in Zeiten von Finanzkrise und überbordender Personalkosten ein gewichtiges Argument. Mit der Einschränkung allerdings, dass der FCB einen Teil der Gehälter von Breno und Ottl weiterhin übernimmt.

3) Von Breno und Ottl erhofft man sich einen sportlichen Wachstumsschub in der Fremde - um diesen hinterher für den eigenen Verein nutzbar machen zu können. Ganz so wie früher bei Philipp Lahm, ganz so wie hoffentlich demnächst bei Toni Kroos.

Aber: Die Verschlankung birgt auch Risiken. Im Wesentlichen drei:

Risiko 1: “Meistermacher Baumjohann”: Der Ex-Schalker, Ex-Gladbacher, Jetzt-Ex-Bayer und Jetzt-wieder-Königsblaue könnte mithelfen, die Gelsenkirchener zum Deutschen Meister zu machen. Eigentlich unvorstellbar, aber angesichts eines Trainers Felix Magath könnte der Gewinn der Meisterschale sogar für den FC Schalke 04 aus dem Land der Träume in die Realität transferiert werden.

Aus sportlichen und finanziellen Erwägungen war der Verkauf Baumjohanns nachvollziehbar. Vor rund einem halben Jahr zum Nulltarif geholt, kaum gespielt, jetzt mit Gewinn (?) weiterverkauft. Gut. Auch für den Spieler selbst ergab sich durch das erfolglose Bayern-Intermezzo kein Imageschaden. Das stellte sich zuvor bei Jan Schlaudraff, einem vergleichbaren Fall, noch ein wenig anders dar.

Was die Win-win-win-Situation zwischen Bayern, Schalke und Baumjohann aber zu Ungunsten der Bayern beeinflusst: Der Nachwuchskreative wechselt zu einem direkten Konkurrenten! So etwas ist in den seltensten Fällen eine gute Idee. Denn, man glaubt es kaum, Schalke steht nach 17 Spieltagen jeweils einen Platz und Punkt vor dem uneinholbaren Rivalen aus München.

Bleibt die Hoffnung, dass sich Baumjohann in Schalke (in, nicht auf!) nicht zu einem Eckpfeiler entwickelt und womöglich dazu beiträgt, Bayern den Titel (oder einen sicheren Startplatz in der Champions League) zu entreißen. Das wäre wirklich unschön.

Risiko 2: “Verteidiger-Engpass”: Dass Breno in der Bundesliga-Rückrunde in Nürnberg Spielpraxis sammeln, im Abstiegskampf seine Nerven stählen und so einen gewissen Fighting spirit entwickeln soll, macht Sinn. Aber: Ohne ihn verfügt Bayern München nur noch über drei gelernte Innenverteidiger: Martin Demichelis, Daniel van Buyten und Holger Badstuber. Keiner aus diesem Trio verkörpert internationale Klasse.

Was, wenn sich nun einer verletzt? Was, wenn sich der nächste eine lange Rot-Sperre einhandelt? Was, wenn Demichelis weiterhin so unbeholfen über den Rasen stümpert? Was, wenn Daniel van Buyten die Lust verliert, weil sein Vertrag möglicherweise nicht um mehr als ein Jahr verlängert werden soll? Was, wenn…? Braafheid oder Lell in die Innenverteidigung stellen? Nein, keine Alternative.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, ob mit oder ohne Breno: Dem FC Bayern München fehlen herausragende Innenverteidiger.

Risiko 3: “Toni-Dilemma”: Noch ist die Toni-Euphorie groß in Rom. Und in München sind alle froh, dass er weg ist. Aber: Angenommen, Luca Nazionale spielt grottig, schlimm, hundsmiserabel bei der Roma, die ihn deshalb im Sommer doch nicht kaufen will. Was dann? Zu Bayern zurückkehren? Nein, der Weg zurück ist verbaut, ein Comeback zumindest bei einem Trainer van Gaal undenkbar.

Tonis Marktwert wäre bei einer Katastrophenzeit in der ewigen Stadt ebenfalls in den Katakomben des Kolosseums angelangt, kein Verein bereit, eine Ablösesumme für den Ü30-Campione del mondo aufs Bayern-Festgeldkonto zu überweisen. Zumal sein Anschlussvertrag in München nur noch ein weiteres Jahr läuft, bis Sommer 2011. Und zumal Tonis Gehaltsvorstellungen die Vorstellungskräfte der meisten Manager auf eine harte Probe stellen dürften.

Findet sich also im Sommer 2010 überhaupt kein Abnehmer, müsste Bayern München den Italiener wohl oder übel weiterbeschäftigen. Für geschätzte zehn Millionen Euro pro Jahr (!!!), ohne Aussicht auf Gegenleistung in Form von Spielen oder Toren. Denn spielen wird er unter van Gaal wohl nicht mehr. Das nennt man dann wohl eine lose-lose-Situation…

Internationale Zuschauertabelle: Bayern auf Platz fünf

Dass die Bundesliga eine enorme Resonanz erzeugt, unter anderem in Form von Stadionbesuchen, ist bekannt. Die Premier League auch, die Serie A mittlerweile nicht mehr. Einige Topklubs auf dem Kontinent bekommen ihr Stadion quasi immer voll, andere fast nie.

Wo steht nun Bayern München in punkto Zuschauerschnitt im europäischen Vergleich? Die Winterpause bietet ja genügend Zeit, um einmal die Top Ten Europas zu recherchieren. Hier sind sie:

1. FC Barcelona - 83.422
2 .Borussia Dortmund - 76.411
3. Manchester United - 74.867
4. Real Madrid - 73.650
5. Bayern München - 69.000
6. FC Schalke 04 - 61.157
7. FC Arsenal - 59.883
8. Hamburger SV - 55.852
9. Inter Mailand - 52.938
10. Celtic Glasgow - 52.351

(Quellen: www.weltfussball.de, www.transfermarkt.de, www.kicker.de,  Premier League, Ligue 1)

Auf den Plätzen elf und zwölf folgen übrigens Olympique Marseille (48.789) als attraktivster Klub Frankreichs und Ajax Amsterdam (48.168) als kräftigster Zuschauermagnet Hollands. Nicht unter den Top Ten sind damit auch Hochkaräter wie der AC Mailand, Juventus Turin, FC Chelsea, FC Liverpool und Olympique Lyon.

Für Bayern München ist das Ende der Fahnenstange damit fast erreicht. Denn mehr als 69.000 Menschen passen in die Allianz Arena nun mal nicht hinein. Um also im Zuschauerranking noch weiter nach vorne zu klettern, müssten a) entweder die Top Four sportlich gewaltig abschmieren und einhergehend Zuschauer verlieren oder b) die Bayern ihr Stadion vergrößern. Beides ist irgendwie unwahrscheinlich. Am ehesten könnte der FCB wohl noch Borussia Dortmund einholen…

Nachtrag: Die Zahlen beziehen sich auf den Zuschauerschnitt der Klubs in ihrer jeweiligen nationalen Liga, nationale und internationale Pokalwettbewerbe sind nicht berücksichtigt.