Jones eröffnet Länder-Hopping
Erste Auswirkungen der geänderten FIFA-Statuten: Jermaine Jones will jetzt nicht mehr für die deutsche Nationalelf, sondern für die USA, Heimatland seines Vaters, spielen. Möglich macht es der Beschluss der FIFA, dass ein Länderwechsel eines Spielers jetzt auch jenseits von 21 Jahren noch d’accord ist. Voraussetzung: Der betreffende Spieler darf noch kein Pflichtspiel für ein Land bestritten haben.
Heißt in diesem Fall: Jermaine Jones, der schon in drei Freundschaftsspielen für Deutschland auflief (allerdings noch in keinem Pflichtspiel), zuletzt aber von Jogi Löw links liegengelassen wurde, kann von dieser Regelung tatsächlich Gebrauch machen und demnächst für die Vereinigten Staaten antreten.
Folge: Es dürfte in Zukunft zu einem vermehrten Länder-Hopping kommen. Spieler mit zwei Staatsbügerschaften haben plötzlich ungeahnte Druckmittel in der Hand. Ein Bundestrainer wird plötzlich gezwungen, einen solchen Spieler in einem wichtigen Pflichtspiel zumindest einzuwechseln, um ihn “festzuspielen”. Mindestens aber müssen solche Spieler umgarnt und umsorgt werden , will man sie nicht verlieren. Ungerecht.
Konkret trifft das zum Beispiel auf Mesut Özil zu. Sollte sich der Gelsenkirchener doch noch für die Türkei entscheiden, wäre das ein echter Verlust für den deutschen Fußball. Heißt: Jogi darf es sich mit ihm nicht verscherzen, ist irgendwie gezwungen, ihn in naher Zukunft zu nominieren und möglichst bald auch in einem Pflichtspiel einzusetzen. Also möglicherweise sogar entgegen sportlicher Vernunft. Damit hat Özil vorerst auch indirekte Vorteile gegenüber “urdeutschen” Konkurrenten. Das kann nicht im Sinne der Herren Erfinder von der FIFA sein.
Außerdem: Deutschland ist von dieser Regelung härter betroffen als andere. Denn die Plätze im DFB-Team sind trotz allem noch umkämpfer als etwa die in der Türkei, in Tunesien, Kroatien, den USA oder Russland. Viele junge deutsche Spieler haben aber ihre Wurzeln in genau diesen Ländern und dort häufig bessere Karriere- und Einsatzchancen. Das Ganze hat im Übrigen auch eine politische Dimension, ist nicht im Sinne bundesdeutscher Integrationsbemühungen. Die nämlich würden von einem klaren und eindeutigen Bekenntnis pro Deutschland profitieren.
Ganz zu schweigen davon, dass viele Nationalmannschaften demnächst an Kontur und Identität verlieren. Denn vor allem kleinere Länder werden demnächst vermehrt Spieler rekrutieren, für die bereits eine andere Nationalhymne gespielt wurde. Leidtragende sind neben Deutschland vor allem Länder mit starker Nationalelf, langer Einwanderungstradition und einem Überangebot an talentierten Spielern, zum Beispiel Frankreich und die Niederlande.
Und natürlich muss in diesem Zusammenhang die wirtschaftliche Komponente erwähnt werden. Sicherlich wägen die Spieler auch ab, was für sie am lukrativsten ist und entscheiden dann womöglich nach finanziellen Gesichtspunkten, lassen sich unter Umständen sogar von einem der beiden Länder “kaufen”. Solch eine Entwicklung kann nicht erstrebenswert sein!
Forderung: Weg mit der FIFA-Regel! Und zwar vollständig. Ein Spieler, der bereits international für ein Land eingesetzt wurde, ob mit 18, 28 oder 38 Jahren, sollte die Nationalmannschaft nicht mehr wechseln können!

Leave a Reply