Real Madrid ist Ribérys Traumverein
Üblicherweise ist die letzte kicker-Montagsausgabe im Jahr eine ziemliche Alibi-Veranstaltung und vollkommen überflüssig: Kein aktueller Zeitungsteil, keine News, nur spröde Rückblicke und aneinandergereihte Bildchen, ergo eine grob zusammengeschusterte Jahreschronik zwecks Geldvermehrung. Nicht in diesem Jahr. Warum?
1) Interview mit Franck Ribéry, der von unserem allseits geschätzten Fußball-Fachmagazin (zu Recht) zum “Mann des Jahres” gewählt wurde. Hier offenbart sich übrigens, ganz nebenbei, dass der Machismo wenigstens im Fußball und im kicker weiterlebt. Denn warum íst Ribéry nicht “Person des Jahres”? Oder anders: Warum gibt es keine “kicker-Frau des Jahres”? Aber das nur am Rande, viel mehr bewegt die Bayern-Gemeinde: Wie lange bleibt der Franzose noch in München?
Seinen Vertrag will er ja derzeit nicht vorzeitig über das Jahr 2011 hinaus verlängern. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Ribéry auch in der Saison 2011/12 noch das rot-weiße Bayern-Jersey trägt, ist sehr gering. Zitat im kicker: “Bayern gehört schon zu den größten und besten Klubs der Welt. Natürlich gibt’s Klubs, von denen man träumt: Real Madrid und Barcelona. Chelsea und Manchester.” Und auf die Frage nach seinem persönlichen Traumverein: “Natürlich liebe ich Real, auch wegen der großen Tradition. Aber ich fühle mich wohl bei den Bayern, alles Weitere wird man später sehen.”
2) Die altehrwürdige Rangliste des deutschen Fußballs: Bevor ein Spieler vom kicker in die Rubrik “Weltklasse” einsortiert wird, muss schon einiges passieren. Fast verwunderlich daher, dass es Ribéry gepackt hat und als einziger Akteur der Position “Außenbahn offensiv” zum Weltklasse-Ritter geschlagen wurde. Bastian Schweinsteiger taucht hier übrigens unter ferner liefen auf, im “Blickfeld”, auf Augenhöhe mit Herthas Maximilian Nicu - lächerlich.
In der Kategorie “Außenbahn defensiv” wiederum ist ebenfalls ein Bayer das Maß aller Dinge - Philipp Lahm. Ebenfalls völlig zu Recht natürlich. Dass er aber laut kicker im Gegensatz zu Ribéry nicht Weltklasse, sondern nur internationale Klasse verkörpern soll, ist äußerst schwer nachvollziehbar. Begründung des kicker: Lahm hätte in der Nationalelf und der Champions League keine überragenden Auftritte hingelegt.
Immerhin gesteht die kicker-Crew ein, dass Lahm sogar im internationalen Querschnitt top ist: “Besser als er war zuletzt keiner, nur Chelseas Ashley Cole verkörpert ähnliches Niveau”. Der Karlsruher Stefano Celozzi übrigens, Neuzugang von Bayern München II, schaffte es auf Anhieb ins “Blickfeld”, nur Lahm, Beck und Kadlec rangieren vor ihm.
3) Lesenswert auch der Kommentar von Rudi Völler, der sich wegen Jens Lehmanns everlasting Bundesliga-Schelte ein wenig echauffiert. Kann man gut verstehen, denn der Jensemann fängt in der Tat allmählich an zu nerven. Sicher, jeder Fußball-Fan ist von der schnellen, harten, atmosphärischen Premier League fasziniert - was die Bundesliga deswegen aber noch lange nicht zur Operetten-Liga degradiert…
4) Empfehlenswert auch die Lektüre des Matthias-Sammer-Interviews. Beste Zitate vom roten Baron: “Wollen wir Sieger oder Verlierer im deutschen Elitefußball ausbilden?” Oder: “Wir wollen den Spielern vermitteln, dass es eine Ehre ist, unser Trikot mit dem Adler und den drei Sternen zu tragen.” Solche Männer braucht der deutsche Fußball. Mit einem Sammer wird man eben Europameister, mit einem Ballack nur Vize…

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